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Blindverkostung. Sinn oder Unsinn ?!?

Sonntag, 6. April 2014 09:28:00 Europe/Berlin

Der Mensch lässt sich leicht beeinflussen. Gerade wenn es um seine Sinne geht. Nicht nur die Tagesform spielt bei Verkostungen eine nicht unbedeutende Rolle, sondern auch alles, was der Verkoster um sich herum wahrnimmt. Die Temperatur sowohl des zu verkostenden Produktes, wie auch des Verkostungsraumes, Gerüche, Licht und, und, und. Zahlreiche Faktoren kann man bei der Vorbereitung einer Probe sehr genau einstellen und vergleichbar machen. Ideale Temperatur von Wein und Raum, gute Luft, Licht und natürlich perfekte Verkostungsgläser, wie das Spiegelau-Tastingglas. All das ist kein Hexenwerk. Der größte „Unsicherheitsfaktor“ ist der Verkoster selbst. Wir sind Menschen. Wir lassen uns beeinflussen. Nicht nur wenn das Licht eine andere Farbe hat oder das Parfum des Nachbarn irritiert. Jegliche Vorabinformation über den zu verkostenden Wein beeinflusst uns. Wenn bekannt ist, dass ein Riesling verkostet wird, werden spezielle, Riesling-typische Aromen wie Pfirsich, Gelbfrucht oder Grapefruit gesucht. Wenn zudem bekannt ist, dass der Wein 10 Jahre alt ist und aus dem Rheingau kommt, wird nach Petrolnoten gesucht. Und wer suchet, der findet … Alleine schon ein Blick auf die Flaschenform (Schlegelflasche, Burgunderflasche, Bocksbeutel, etc.) verleitet zu Gedankenspielen. Wenn der Wein aus einem Bocksbeutel eingeschenkt wird, liegt die Vermutung nahe, dass es ein Franke ist. Und schon ist der Verkoster befangen. Also wird der Wein entweder in neutrale Flaschen umgefüllt oder der Verkoster bekommt die Flasche erst gar nicht zu Gesicht.

Man kann also viel unternehmen, um den Verkoster vor äußeren Einflüssen zu „schützen“. Aber macht das Sinn? Kann man einen Wein dann besser bewerten? Wird aus einem schwarzen Glas verkostet, kann ich nicht erkennen ob eine (ungewollte) Trübung vorhanden ist. Wenn ein Riesling plötzlich nach Sauvignon Blanc schmeckt, nur weil der Winzer spezielle Aromenhefen verwendet hat, ist dies untypisch. Ob gut oder schlecht ist Geschmackssache. Aber was wollen wir denn? Eine „neutrale“ sensorische Auflistung der vorhandenen Aromen? Das müsste fast schon maschinell, beispielsweise mit einem Gaschromatographen, gemacht werden. Aber hilft uns das weiter? Wie ist das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten? Wie ist der Gesamteindruck? Dies sind größtenteils subjektive Bewertungsbereiche. Wenn ich jedoch einen Wein in seiner Gesamtheit, vielleicht sogar die Philosophie des Winzers, seine Stilistik und seine Handschrift, verstehen möchte, bleibt mir gar nichts anderes übrig, als den Wein offen zu verkosten. Also mich ganz bewusst beeinflussen zu lassen und alle zur Verfügung stehenden Informationen in die Verkostung mit einzubeziehen. Wenn ich einen Wein dann „bewerte“, ist es unumstößlich, dass es meine rein subjektive Betrachtung des Weines ist. Wenn ich dann noch Punkte vergebe, so ist dies – für mich zumindest – eher als generelle Einordnung des Weines zu verstehen. Nicht als „Urteil“. Je nach Stimmung und Anlass, kann ein vermeintlich „schwächerer“ 83-Punkte-Wein, einen viel größeren Genuss bedeuten, als der fast unerreichbare 100-Punkte-Wein. Und ist nicht die Beschreibung des Weines viel Wertvoller, als die reine Punkteangabe? Eigentlich schon, aber „Ranglisten“ sind viel einfacher nach Punkten zu sortieren und der Leser kann viel schneller die vermeintlich „besten“ – also diejenigen mit den höchsten Noten - Weine herausfiltern.Ob man dann auch die „besten“ Weine hat, muss jeder für sich selbst entscheiden. Lasst einfach Euren eigenen Geschmack entscheiden.

Abschließend nochmal zurück zur Blindprobe: Eine solche Blindprobe kann auch sinnvoll sein und sogar viel Spaß machen. Zusammen mit Freunden beispielsweise. Wenn man unbeeinflusst von den Etiketten mit all ihren Informationen Wein verkostet und gemeinsam auf die Suche geht: wo kommt der Wein her, welche Rebsorte ist es, respektive eine Cuvée welcher Sorten, wie alt ist der Wein und wer ist gar der Produzent? So kann man in lockerer Runde spannende, lehrreiche und oftmals überraschende Stunden verbringen.

veröffentlicht im News von

Peer F. Holm

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